Tränen, Abschied und Neubeginn: Das Frauenschutzhaus Güstrow geht an das DRK über und sichert so weiter einen Schutzraum für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Kinder in der Region.
Es war ein emotionaler Moment, als am Freitag der Vorstand des Arche -Vereins und die Mitarbeiterinnen des Frauenschutzhauses Güstrow offiziell die Trägerschaft an das DRK übergaben. Gründerin, langjährige Leiterin und Vereinsvorsitzende Karin Wien sowie die Leiterin bis zu diesem Tag, Jacqueline Garske, beschrieben eindrucksvoll den langen Weg bis zur Übergabe, zum Teil mit tränenerstickter Stimme.
Übergabe fiel Arche e. V. und Mitarbeiterinnen nicht leicht
Diese Tränen, die es auch bei den Mitarbeiterinnen Ronja Jäger und Michelle Stübe gab, sind kein Zeichen von Sentimentalität, sondern Ausdruck dessen, mit wieviel Herzblut, großem Engagement und Empathie diese Frauen anderen Frauen und ihren Kindern in mehr als drei Jahrzehnten Schutz gaben vor gewalttätigen Ehemännern oder Angehörigen und weiterhin geben.
Bisher mit enorm viel ehrenamtlicher Arbeit, die die Gründerin Karin Wien (71) und ihre Mitstreiterinnen im jetzigen Vorstand, Siegrun Schippmann und Ronja Jäger, leisteten. „Die Übergabe ist uns nicht leichtgefallen“, sagte Jacqueline Garske, die das Frauenschutzhaus seit 2019 leitete. „Sie ist das Ergebnis einer realistischen Analyse mit dem Ziel, unser Haus zukunftssicher aufzustellen. Gerade weil wir unser Frauenschutzhaus so lieben, haben wir diese Entscheidung getroffen. Nach endlosen Sitzungen und vielen Tränen mussten wir feststellen, dass bei so viel Bürokratie die Arbeit durch einen ehrenamtlichen Vorstand nicht mehr zu stemmen ist.“
Für Gründerin Karin Wien, die in ihrer Rede auf die 35 Jahre des Frauenschutzhauses in Trägerschaft von Arche e.V. zurückblickte, und für Siegrun Schippmann war das Frauenschutzhaus Güstrow ihre Lebensaufgabe. Dank ihrer Hartnäckigkeit und der von Jacqueline Garske ist es gelungen, mit dem DRK einen starken Träger zu finden, der das Frauenschutzhaus Güstrow übernimmt. Der DRK-Kreisverband Güstrow trägt nun die Verantwortung für das Haus, das 21 Plätze für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Kinder im Landkreis Rostock bietet und 1991 das erste Haus dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern war.
Arche e. V. übergibt modernes Haus an DRK-Kreisverband
Die Entscheidung für eine Übergabe fiel schon 2021, nun hat es bis Januar 2026 gedauert, sie umzusetzen. „Wer uns kennt, weiß: Wir haben einen hohen Anspruch an unsere Arbeit. Wir wollten selbst einen neuen Träger suchen, der zu unserem Frauenschutzhaus und unserer Idee passt“, so Jacqueline Garske. Doch Alexander Plass und Gunnar Quaas vom DRK hätten früh signalisiert, dass sie diese gesellschaftlich notwendige Aufgabe in dieser Region am Leben erhalten und fortführen wollen.
In den vergangenen fünf Jahren stemmten der Arche-Verein und die Mitarbeiterinnen außerdem noch eine umfangreiche Baumaßnahme bei laufendem Betrieb, für die das Haus als einziges dieser Art in MV Geld aus dem Bundesinvestitionsprogramm bekam. Die Vorgabe war jedoch: eine Umsetzung innerhalb eines Jahres.
Auch renoviert wurde das Frauenschutzhaus noch. „Wir übergeben heute ein modernes Haus an das DRK“, konnte Jacqueline Garske feststellen. Sie dankte sehr bewegt den Mitarbeiterinnen, den Vereinsmitgliedern und dem Vorstand von Arche e.V. „Dank auch an das Land, den Landkreis und die Stadt Güstrow. Alle standen die ganze Zeit hinter uns. Es macht mich stolz, in einer Stadt zu leben, die anerkennt: ‚Ja, es gibt häusliche Gewalt und wir brauchen dieses Haus.‛“ Arche e. V. werde in Zukunft als Förderverein für das Frauenschutzhaus da sein.
Land, Landkreis und Güstrow stehen hinter Frauenschutzhaus
„Mit dem Deutschen Roten Kreuz übernimmt ein erfahrener, verlässlicher und im sozialen Bereich hervorragend aufgestellter Träger diese wichtige Aufgabe. Ich freue mich, dass der Prozess für die Schutz suchenden Frauen und ihre Kinder erfolgreich abgeschlossen und somit die Zukunft des Hauses gesichert werden konnte. Ich danke dem langjährigen Träger Arche e.V. für sein großes Engagement und dafür, dass der Übergang reibungslos und professionell war. Der Schutz für von Gewalt betroffene Frauen duldet keine Auszeit“, sagte Jacqueline Bernhardt (Die Linke), Ministerin für Gleichstellung und Justiz, die zur Übergabe nach Güstrow gekommen war.
„Ich weiß das auch als Mann zu schätzen, dass es diesen Schutzraum gibt“, sagte Güstrows Bürgermeister Sascha Zimmermann. Die Stadt bekenne sich auch zu der Einrichtung, indem das Haus schon immer mietfrei genutzt werden konnte und die für die Baumaßnahme notwendige Bürgschaft übernommen wurde.



