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Markt bricht ein: Nach Altkleider-Containern trifft es nun die Kleiderkammer

Bild zeigt einen Blick in einen Raum der Kleiderkammer. Es sind lange offene Schrankreihen mit Fächern und Schubladen zu sehen in fast alle liegen bzw. hängen Kleidungsstücke und stehen Schuhe.Foto: Torsten Bengelsdorf
DRK-Kleiderkammer in der Gnoiener Friedenstraße: Kleidung wird hier jetzt nicht mehr entgegengenommen, die Annahmestelle schließt zum 31. Dezember.

Nordkurier online 30.09.2026 von Torsten Bengelsdorf

Der Markt für Altkleider ist nahezu zusammengebrochen. Darauf reagiert das Rote Kreuz jetzt. Das Aus der Kleiderkammer in Gnoien beschäftigt auch die Stadtpolitik.

An der Tür hängt schon seit einigen Tagen ein Zettel. Kleidung wird in der Annahmestelle in der Gnoiener Friedenstraße nicht mehr entgegengenommen - wegen Schließung, ist darauf zu lesen. Am 31. Dezember ist hier Schluss, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gibt seine Kleiderkammer in Gnoien auf, wie Verbandssprecherin Caroline Awe gegenüber dem Nordkurier bestätigt. Lange habe sich das DRK bemüht, die Einrichtung fortzuführen. Offenbar ohne Erfolg.

Altkleider-Verwerter melden Insolvenz an

In den Sozialen Medien war ein Schuldiger schnell gefunden: Bürgermeister Lars Schwarz (CDU) habe das DRK zu wenig unterstützt. Doch so einfach ist das nicht. Die Gründe seien vielfältig, heißt es vom DRK-Kreisverband Güstrow. So sei der Markt für Altkleider nahezu zusammengebrochen, zahlreiche bisherige Verwerter, mit denen die Kleiderkammern zusammengearbeitet hätten, seien insolvent. „Neue Partner zu finden, ist in der aktuellen Lage nahezu unmöglich“, berichtet Caroline Awe. Dies habe bereits dazu geführt, dass das DRK die Altkleidercontainer in der Region habe abbauen müssen.

Mit der zentralen Lage der Kleiderkammer in der Stadt hatte das DRK offenbar die Hoffnung, neue Kooperationspartner zu finden, was jedoch nicht gelungen sei. 

Nach Angaben des Verbandes wurden verschiedene Fördermöglichkeiten geprüft und Anträge gestellt. „Alle Ideen und Bemühungen seitens des Kreisverbandes, neue Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, um den Erhalt zu sichern, scheiterten leider“, erklärt Caroline Awe.

Hinzu komme die Lage im Kreishaushalt des Landkreises Rostock. Freiwillige Leistungen würden aktuell nicht gezahlt. Damit entfalle die Förderung durch den Landkreis, mit der Träger der freien Wohlfahrtspflege fest kalkuliert hatten.

Unterstützung komme seit vielen Jahren von der Stadt Gnoien mit einem konstanten Zuschuss in Höhe von 400 Euro pro Jahr. Doch reiche dieser Betrag eben nicht aus, um die Kosten der Kleiderkammer zu decken.

Das Thema sprach am Montagabend auch Steffi Burmeister (AfD) in der Stadtvertretersitzung an. „Das DRK findet keine günstigen Räume, heißt es“, wandte sich die Stadtvertreterin an den Bürgermeister.

„Mit uns hat keiner das Gespräch gesucht“, antwortete Lars Schwarz. Dabei hätte die Stadt durchaus Räume anzubieten. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass es nur an der Miete liege. „Da, wo großes Geld zu verdienen ist, sind sie immer vorn mit dabei. Aber bei anderen Sachen ducken sie sich weg“, meinte der Bürgermeister in Richtung DRK.

Kleiderkammern in anderen Städte arbeiten weiter

Doch auch diese Einschätzung ist wohl etwas zu simpel, wie ein Einwand von Gunnar Steinbrink (CDU), selbst DRK-Mitarbeiter, zeigte. Die Kleiderkammern erlebten einen „totalen Rückgang vom Zulauf her“, sagte Steinbrink. Die Leute bräuchten wohl gar keine Kleider mehr. Man müsse sich Gedanken machen, wie man künftig mit dieser Situation umgehe.

Eine auskömmliche Finanzierung für Kleiderkammern gebe es derzeit nicht, sagt Verbandssprecherin Awe. Für Hilfesuchende stehen aber weiterhin die DRK-Kleiderkammern in Güstrow, Bützow, Krakow am See, Teterow und Laage zur Verfügung. Den ehrenamtlichen Mitarbeitern in Gnoien wolle das DRK Perspektiven aufzeigen, wie sie sich auch weiterhin in dem Verband engagieren können.