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Kleiderspenden ganz neu gedacht: Was das Rote Kreuz jetzt anders macht

Bild zeigt eine Blick in die Güstrower DRK Kleiderkammer. Es sind gefüllte Regale und Kleiderständer zu sehen. Die Mitarbeitenden der Kleiderkammer stehen mit im Raum und halten Kleidungsstücke in den Händen.Foto: Nadine Schuldt
Silvia Monkelt, Ronny Selbert, Daniela Wedel (v.l.n.r.) sortieren in der DRK-Kleiderkammer in Güstrow die abgegebenen Sachen und räumen sie in den entsprechenden Regalplatz ein.

Nordkurier online vom 08.02.2026 von Nadine Schuldt

Ältere, aber gut erhaltene Kleidung muss nicht weggeworfen werden. Damit sie in der DRK-Kleiderkammer präsentiert wird, durchlaufen die Sachen ein spezielles Prozedere. 

Der DRK-Kreisverband Güstrow hat vor einigen Monaten seine Altkleider-Container von den bekannten Standorten abgezogen. Gut erhaltene Sachen nimmt das DRK aber auch weiterhin entgegen - nämlich in den Kleiderkammern des DRK in Güstrow, Laage, Bützow, Krakow am See und Teterow. In den Einrichtungen seien Prozesse komplett umgestellt worden, damit Kunden auch künftig vernünftige Kleidung mit nach Hause nehmen können, teilt das DRK mit.

Vorsortieren kam zunächst nicht bei jeder Person an

„Die persönliche Annahme und das Vorsortieren sind dafür essenziell“, betont DRK-Bereichsleiterin Nadine Normann. In der Güstrower Kleiderkammer übernehmen das unter anderem Daniela Wedel, Silvia Monkelt und Ronny Selbert. „Pro Tag kommen drei bis fünf Leute vorbei, die durchschnittlich zwei blaue Säcke mit Sachen mitbringen“, sagt Ronny Selbert.

Dass sie seit Beginn des Jahres jede Kleiderspende genau begutachten, sei zunächst nicht bei jedem Spender gut angekommen. „Der ein oder andere hatte auch mal geschimpft und gemeint, dass er nichts mehr vorbeibringe“, schildert Daniela Wedel. So mussten einige Kleidungsstücke auch zurückgewiesen werden, weil sie für die Weitergabe nicht mehr geeignet waren.

Mitunter fanden sich in den abgegebenen Kleidertüten auch kaputte Klamotten oder verschmutzte Unterwäsche. „Das hatte auch schon gerochen“, berichtet Silvia Monkelt. Bei den Altkleider-Containern sei die Situation mitunter noch drastischer gewesen. „Es sind alle paar Monate Essensreste in den Container geworfen worden“, erinnert sich Ronny Selbert.

Altkleider-Container wurden zur großen Belastung

Die Container wurden zuletzt zu einer immer größeren Belastung für das DRK und wurden ab Ende Juli 2025 abgeschafft. „Der finanzielle Aufwand für uns als Verein ist von 2024 zu 2025 unter anderem durch gestiegene Entsorgungs-, Energie- und Materialkosten fast auf das Doppelte gestiegen“, erläutert Nadine Normann.

Erschwerend sei hinzugekommen, dass laut gesetzlicher Bestimmungen unbrauchbare Textilien nicht mehr über den Hausmüll entsorgt werden dürfen und vermehrt in den Altkleider-Containern landeten. „Diese gesetzliche Neuregelung hat zu einer großen Verunsicherung bei den Bürgern geführt“, so Normann. So seien Altkleider nun in einer Tüte neben die Hausmüll-Tonne zu stellen oder zum Wertstoffhof zu bringen, erläutert sie. Durch den zusammengebrochenen Weltmarkt für Alttextilien hätten zudem Abnehmer gefehlt, wodurch die Entsorgung aufwendiger geworden war.

In der Kleiderkammer war das deutlich zu spüren. „Wir hatten Säcke über Säcke mit unbrauchbaren Sachen da, weil es keine Entsorgung mehr gab“, erinnert sich Ronny Selbert. In ihren Räumlichkeiten sei es zeitweise so voll gewesen, dass sie nur noch auf einem schmalen Pfad durch die Räume kamen.

Kleiderkammer versorgt auch weitere Hilfseinrichtungen

Das ist aber längst Vergangenheit und nun ist wieder Platz zum Sortieren da. Sehr gut gefüllt ist die Kleiderkammer immer noch. Dort können nicht nur Bürger Hosen, Jacken, T-Shirts oder Schuhe gegen eine Spende ergattern. „Wir versorgen bei Bedarf auch die Kinder- und Jugendhilfe, unterstützen das Krankenhaus oder die Obdachlosenhilfe in bestimmten Fällen“, verdeutlicht Nadine Normann.

Die Kleiderkammer ist montags bis freitags in der Zeit von 8.30 Uhr bis 12 Uhr am Standort in der Güstrower Hagemeisterstraße 5 geöffnet. „Wir wünschen uns, dass das Angebot noch aktiver angenommen wird, um viele Bürger in Güstrow zu erreichen“, ergänzt Nadine Normann.