Seit die Beratungsstelle in Bad Doberan 2025 geschlossen hatte, klaffte im Landkreis Rostock eine Lücke. Jetzt springt das DRK in die Bresche – mit einem mobilen Angebot.
Betroffene häuslicher Gewalt haben jetzt im Landkreis Rostock wieder eine Anlaufstelle: Am 1. September startet der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Güstrow, der bereits Träger des Frauenschutzhauses im Landkreis Rostock ist, mit einem mobilen Angebot, mit dem flexibel auf Nachfragen und Bedarfe in der Region reagiert werden kann. Im Landkreis wird dadurch eine Lücke gefüllt, die sich im vergangenen Jahr durch die Schließung der Beratungsstelle in Bad Doberan aufgetan hatte.
Kreis setzt beim Ausbau des Angebots auf das Land
„Ich bin froh und erleichtert, dass nach einem langen und intensiven Prozess endlich wieder ein Beratungsangebot für die von häuslicher Gewalt betroffenen Menschen im Landkreis Rostock zur Verfügung stehen wird. Wenngleich dieses zunächst nur in geringem Umfang starten kann, schließt es doch eine große Lücke und ich bin dem Träger DRK Güstrow sehr dankbar, dass er bereit war, diesen Schritt mit uns gemeinsam zu gehen“, betonte die zweite stellvertretende Landrätin des Landkreises Rostock, Anja Kerl. „Ich wünsche mir, dass es künftig auch mithilfe einer verlässlichen und auskömmlichen Finanzierung durch das Land gelingt, das Beratungsangebot auszubauen und langfristig zu sichern.“
Das bietet die mobile Beratungsstelle
Die neue Anlaufstelle wird einerseits psychosoziale Beratung anbieten und andererseits Gewaltoper bei der Ermittlung des individuellen Schutzbedarfs unterstützen. Auch die Begleitung zu Ämtern, Anwälten oder anderen Institutionen, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen und anderen erforderlichen Schritten ist vorgesehen.
„Uns ist es unwahrscheinlich wichtig, dass wir mit der Aufrechterhaltung dieses wichtigen Beratungsangebots zur Stärkung der Gesellschaft in unserem Landkreis aktiv beitragen können“, betont der Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbandes Güstrow Alexander Plass. Häusliche Gewalt habe viele Formen und ziehe sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. „Hier ist es wichtig, schnell und niederschwellig Unterstützung anzubieten“, so Plass.
Ministerin verweist auf Investitionen des Landes
Justiz- und Gleichstellungsministerin Jacqueline Bernhardt (Linke) betonte, dass kein Opfer häuslicher oder sexualisierter Gewalt allein gelassen werde. Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördere ein flächendeckendes spezialisiertes Hilfe- und Beratungsnetz. Allein in diesem Jahr würden dafür insgesamt 3.272.200 Euro zur Verfügung stehen. Außerdem würden mithilfe von fünf Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes die Frauenschutzhäuser und Fachberatungsstellen ausgebaut, weiterentwickelt und barrierearm ausgestattet, so die Ministerin.
Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erfassten Fälle häuslicher Gewalt haben 2025 einen neuen Höchststand erreicht. 5204 Fälle wurden verzeichnet (2024 waren es 5005), dabei handelte es sich in zwei von drei Fällen um Körperverletzungen, auch neun Tötungsdelikte führt die Statistik in diesem Zusammenhang auf. 74 Prozent der Tatverdächtigen im Jahr 2025 waren männlich.
Ebenfalls in der PKS 2025 erfasst wurden 2573 Fälle sexualisierter Gewalt, ein Jahr zuvor waren es lediglich 2007. Das Spektrum reichte von exhibitionistische Handlungen über sexuelle Belästigung, Nötigung, Übergriffen, Kindesmissbrauch und Vergewaltigung bis hin zur Verbreitung, dem Erwerb, Besitz und der Herstellung kinder- bzw. jugendpornografischer Inhalte.
Die mobile Beratungsstelle für Betroffene von häuslicher Gewalt im Landkreis Rostock ist von Montag bis Freitag unter Telefon (03843) 683186 oder E-Mail bst(at)drk-guestrow(dot)de zu erreichen. Auf Wunsch erfolgt die Beratung anonym. Termine können online, per Telefon oder persönlich an einem neutralen Ort im Landkreis vereinbart werden.
