Silke Kirsch suchte Sicherheit und Anerkennung – und fand in ihrem neuen Job weit mehr. Wie das auch anderen gelingen kann, zeigt die Quereinsteiger-Messe in Güstrow.
Wenn man Silke Kirsch nach ihrem Job fragt, lächelt sie über das ganze Gesicht. Seit eineinhalb Jahren ist sie in der ambulanten Pflege beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Güstrow tätig – für sie sei es ihr größtes Glück, jeden Tag mit und für Menschen zu arbeiten, informiert DRK-Sprecherin Caroline Awe.
Von der Fließbandarbeit zur Pflege: Suche nach Anerkennung
Das sei nicht immer so gewesen. 16 Jahre lang habe sie in der Produktion gearbeitet, Türzargen hergestellt, die weltweit verschifft wurden. „Das war Fließbandarbeit. Da ging es stets um Leistung und Masse – Anerkennung und Wertschätzung gab es kaum“, sagt sie rückblickend. Sicherheit habe der Job geboten, Zufriedenheit aber nicht.
Die Wende sei vor eineinhalb Jahren gekommen, als der Betrieb Insolvenz anmeldete, so DRK-Sprecherin Awe. „Da habe ich überlegt, was ich mit meinem Leben anfangen möchte – ich war auf der Suche nach Sicherheit und Anerkennung“, erzählt Silke Kirsch. Der Gedanke an die Pflege habe sie schon länger begleitet, eine Bewerbung hatte es bereits früher gegeben.
Eigentlich habe sie zunächst nur ein Praktikum in der DRK-Sozialstation Krakow am See absolvieren wollen. Doch es sei anderes gekommen: „Das Gespräch lief so gut, dass ich schon am nächsten Tag mit auf Tour gegangen bin“, erinnert sich die 48-Jährige.
Die Sozialstation betreut nach Angaben des DRK 126 Klienten und beschäftigt 25 Mitarbeiter. Eine Mitarbeiterin ist Silke Kirsch. „Ich gehe jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit und mein Umfeld merkt, dass ich viel zufriedener bin“, sagt sie. Im vergangenen Jahr absolvierte sie zudem berufsbegleitend eine Weiterbildung zur Betreuungskraft über das DRK Güstrow. Gemeinsam mit 17 weiteren Teilnehmern erhielt sie im Dezember ihr Zertifikat, teilt das DRK mit. „Diese Weiterbildung ist etwas fürs Leben und bereichert mich auch persönlich“, so Kirsch.
Besonders schätze sie den Zusammenhalt im Team. Kollegen seien jederzeit ansprechbar und unterstützten auch in schwierigen Situationen. „In zwei Situationen musste ich bereits den Rettungsdienst hinzuziehen. Es ist toll, dass ich die diensthabenden Fachkräfte immer erreichen kann. Auch danach haben sie sich viel Zeit genommen – hier ist man nie allein“, betont sie.
Pflege heißt nicht 24/7 – mehr Flexibilität im Alltag
Auch mit einem Vorurteil wolle sie aufräumen: Pflege bedeute nicht rund um die Uhr Einsatz. „Ich habe jetzt viel mehr Freizeit und kann unter der Woche Termine wahrnehmen, für die ich früher freinehmen musste. Diese Flexibilität genieße ich sehr.“
Und dann gebe es noch etwas, das ihren Arbeitstag besonders mache: „Jeder Tag beginnt mit einer festen Umarmung der dankbaren Klienten – das ist das Sahnehäubchen.“
Heute sagt Silke Kirsch: „Eigentlich bereue ich nur eins – dass ich diesen Schritt nicht schon viel früher gewagt habe. Ich kann das wirklich jedem nur empfehlen.“
Wer Interesse hat, wie Silke Kirsch einen Quereinstieg in die Pflege zu wagen, kann sich am Sonnabend, 27. Juni, auf der Quereinsteiger-Messe in der Viehhalle Güstrow informieren. Von 10 bis 14 Uhr stehen dort DRK-Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung.

