Wenn Frauen in Not sind, sind Schutzhäuser existenziell wichtige Anlaufpunkte. Doch nicht allen Schutzsuchenden konnte im vergangenen Jahr auch ein Platz in einer Einrichtung angeboten werden. Einige beklagen die Platznot.
Häusliche Gewalt ist in Deutschland weit verbreitet – das zeigt sich auch in der Arbeit der neun Frauenschutzhäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Die Einrichtungen arbeiten am Limit, wie Recherchen des NDR ergeben. Mitunter werden die Bedingungen kritisiert, so wie in Stralsund.
Kritik aus Stralsund an fehlender Kostenübernahme
Das Stralsunder Frauenschutzhaus befindet sich in Trägerschaft des Vereins "Stark machen". Im vergangenen Jahr fanden in Stralsund 26 Frauen und 23 Kinder Schutz. Aber: "156 Frauen und 138 mitbetroffenen Kindern konnten wir aus Kapazitätsgründen keinen Platz in unserem Frauenhaus anbieten", so Teamleiterin Uta M. Sie spricht von "miserablen Rahmenbedingungen", die dazu führen würden, dass Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit in den Hintergrund treten. Beispielsweise sei die Finanzierung nicht auskömmlich. "Entgegen der damaligen Aussagen seitens der Kommune und des Bundeslandes fehlen Personalkosten und Mietkosten." Darüber hinaus fehle eine volle Stelle und auch ein eigener Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche.
Nicht alle Frauen können untergebracht werden
Im Frauenschutzhaus in Güstrow wurden im Vorjahr 27 Frauen mit 29 Kindern untergebracht. Da zwischenzeitlich Renovierungsarbeiten stattfanden, waren die Kapazitäten zeitweise eingeschränkt. Auch ohne die Bauarbeiten hätten nicht alle Hilfesuchenden aufgenommen werden können. 73 Frauen und 64 Kinder konnten nicht unterkommen. "Diese wurden an andere Einrichtungen oder alternative Hilfsangebote weitervermittelt", heißt es aus dem Haus, das seit Anfang des Jahres in Trägerschaft des DRK-Kreisverbands Güstrow steht. Die Gründe dafür seien vielfältig gewesen - von voller Auslastung über Sicherheitsbedenken bis hin zu unklarer Finanzierung.
Nutzungsgebühr für Frauen manchmal problematisch
Tatsächlich ist die Finanzierung ein Haken am Hilfsangebot für Frauen. Schutz, Beratung und Unterstützung sind grundsätzlich frei von Kosten. Allerdings belegen die Zahlen, dass viele Frauen Unterschlupf suchen. Dafür fallen Kosten an, zum Beispiel Nutzungsgebühren für Unterkunft und Heizung. In Stralsund liegt der Tagessatz bei 16,63 Euro. In Güstrow liegt die Gebühr je nach Wohneinheit zwischen 500 und 650 Euro im Monat. Die Gebührenhöhe orientiert sich an Richtlinien der Landkreise. Aus Stralsund ist allerdings zu hören, dass keine hilfesuchende Frau abgewiesen wird, nur weil sie die Gebühren nicht aufbringen kann.
Landesweit mehr als 1.100 Beratungen
In den Frauenschutzhäusern im Land wurden 2025 mehr als 1.100 ambulante Beratungen durchgeführt. Zwei der neun Frauenhäuser im Land sind nicht berücksichtigt, weil von dort keine Zahlen vorliegen. Die Zahl der Kontakte ist weitaus höher und liegt bei mehr als 2.000. In knapp 950 Fällen waren Kinder mit betroffen. Diese Zahlen teilte die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenhäuser in MV auf NDR Anfrage mit. Hinzu kommen mehr als 1.000 nachgehende Beratungen. Diese finden statt, wenn Frauen nach ihrer Zeit im Schutzhaus sich mit späteren Problemen an die ihnen bekannten Mitarbeiterinnen wenden.
Gewalthilfegesetz verspricht Besserung
Noch gelten Frauenschutzhäuser als freiwillige Leistung. Das ändert sich aber mit dem 2025 beschlossenen Gewalthilfegesetz. "Das Hilfe- und Beratungsnetz wird von uns auch weiterhin gestärkt", so Justizministerin Jaqueline Bernhardt (Die Linke) gegenüber dem NDR. Das Gesetz garantiert ab 2032 einen Rechtsanspruch auf Beratung und Schutz für Frauen und Kinder, die Opfer von geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt sind. Die Frauenhäuser seien dabei ein wichtiger Baustein. Die Träger begrüßen das Gesetz mit Blick auf die wegfallenden Kosten für Hilfesuchende. Wie das finanziert werden soll und wie es sich mit den dafür erforderlichen personellen und räumlichen Kapazitäten verhält, ist allerdings noch offen.
