Als Lebensretter und auch als Vorbild sind die Mitglieder der Wasserwacht seit Jahrzehnten am Güstrower Inselsee im Einsatz. Am Wochenende wurde mit einem großen Familienfest gefeiert.
70 Jahre Wasserwacht des DRK-Kreisverbandes Güstrow. Das bedeutet: 70 Jahre sicheres Baden im Inselsee, aber auch Ausbildung von Rettungsschwimmern und die Erste-Hilfe-Ausbildung. Am Sonnabend wurde der Geburtstag mit einem großen Familienfest am Strand des Inselsees gefeiert. Dabei stellte der Kreisverband noch einige andere Arbeitsbereiche des Deutschen Roten Kreuzes vor.
Retter erinnert sich besonders an einen Einsatz
1952 wurde das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der DDR wieder zugelassen und schon zwei Jahre später hatte sich eine Ortsgruppe Wasserrettungsdienst beim DRK Güstrow etabliert. Als 1956 ein Wachturm an der Badestelle am Inselsee aufgestellt wurde, wurde dieser mit qualifizierten Rettungsschwimmern besetzt und mit einem Rettungsboot ausgestattet. Zu den ersten Rettungsschwimmern zählte Dr. Klaus-Dieter Droste. Er war am Sonnabend vor Ort und erzählte zwei Geschichten, die ihm bis heute gut in Erinnerung sind. „Es war im Mai 1958. Ein Schüler war ins Wasser gesprungen und tauchte nicht wieder auf“, so berichtet er. Vom Turm aus habe er dies gut beobachten können und konnte den Schüler aus dem Wasser holen. „Er war bewusstlos und ich konnte ihn wiederbeleben“, fügt er an. Dafür hatte er damals eine Dankesurkunde vom DRK erhalten. Bei einem seiner Einsätze am Inselsee habe er auch seine Frau kennengelernt.
„Von 1966 bis 68 erfolgten umfangreiche Baumaßnahmen zur Erweiterung des Bade- und Strandbereichs am Inselsee“, berichtet Dieter Heidenreich, Präsident des DRK-Kreisverbandes Güstrow, in seiner Rede noch mehr aus der Geschichte. Damals sei auch ein Gebäude zur Unterbringung eines Strandkorbverleihs entstanden.
Kurhausbau und Kredit machten Badestelle möglich
Das alles sei aber vielleicht gar nicht so möglich gewesen, wenn nicht das Kurhaus am Inselsee gebaut worden wäre. „Ohne Hermann Schröder wäre die Badestelle vielleicht gar nicht entstanden“, mutmaßt Erich-Alexander Hinz, Inhaber des Kurhauses. Der habe nicht nur das Kurhaus gebaut, sondern 1923 auch einen Kredit aufgenommen, um Umkleidehäuschen zu errichten.
2013 war ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der Badestelle am Inselsee. Damals entstand das „Strandhaus“ und die Sanitätsstation wurde im Sanitärgebäude in Betrieb genommen. Elf Jahre später wurde ein zusätzlicher Wach-Container der Wasserwacht mit Hilfe von Fördergeldern der Glücksspirale zur Verbesserung des Wachdienstes am Inselsee aufgestellt.
Auch Christian Möller (84) und Reinhard Eiserle (72) gehören schon viele Jahre zur Wasserwacht. Christian Möller ist zwar seit diesem Jahr nicht mehr als Rettungsschwimmer tätig, hilft aber, wo er kann und bringt noch immer Kindern das Schwimmen bei. „Es hat mir immer Spaß gemacht und viele Leute sind dankbar, dass wir die Arbeit hier tun“, erklärt er sein Engagement über die Jahrzehnte. Reinhard Eiserle ist seit über 40 Jahren dabei und ist neben den Diensten am Inselsee auch bei der Ausbildung von Rettungsschwimmern aktiv. Für die langjährige Arbeit dieser beiden hatte man sich eine besondere Überraschung ausgedacht und widmete ihnen eine stabile „Wasserwacht-Klön-Bank“. „Ich bin hin und weg. Die ist richtig toll“, freute sich Reinhard Eiserle. Ein Platz für die Bank muss noch gefunden werden, daran haben die beiden ein Mitspracherecht.
Es wurde am Sonnabend auch ein neues Boot getauft, das von der Wasserwacht für die Absicherung genutzt werden kann. Es ist ein Drei-Kieler, der stabiler im Wasser liegt. Stadträtin Mandy Mater taufte das Boot auf den Namen „Burkhard Passehl“ – ihm wurde es gewidmet. „Burkhard Passehl war seit seinem 14. Lebensjahr hier am Inselsee aktiv“, erzählt Christian Möller. Er sei über Jahrzehnte, bis zu seiner Krankheit, das „Gesicht am Inselsee“ gewesen.
5.200 Einsatzstunden im vergangenen Jahr
Sieben Jahrzehnte lang haben pflichtbewusste Kameraden der DRK-Wasserwacht im Ehrenamt viel geleistet. „Als Lebensretter, Seelentröster, Beistand und vor allem Vorbild“, betonte Dieter Heidenreich. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 5.200 Einsatzstunden. 73 Mitglieder hat die Wasserwacht und 55 Kinder in der Ausbildung. Insgesamt werden drei Badestellen durch die DRK-Wasserwacht abgedeckt: am Inselsee Güstrow, in Krakow am See und in Bützow. „Wir wünschen uns weitere aktive Mitglieder“, sagt Mark Loeschke als Leiter der Wasserwacht. Durch Corona hätten sie einige Mitglieder verloren. Um auch in den nächsten Jahren diese Arbeit am Inselsee tun zu können, seien weitere Rettungsschwimmer gern gesehen.
Ein Lob gab es übrigens auch noch von Dr. Klaus-Dieter Droste: „So schön, wie der Badestrand jetzt aussieht, sah er früher nicht aus!“



