Güstrow, 05. 05. 2026
Es ist ein frühlingshafter Mittwochvormittag und der Weg zum DRK-Bildungszentrum am Bergring in Teterow ist gesäumt von Fahrzeugen der ambulanten Pflege des DRK Kreisverbands Güstrow e.V. Mit Jana, Jule, Angelika, Margrit, Ines, Kerstin, Hannah und Jacqueline haben sich acht Pflegehelferinnen aus sechs Sozialstationen in der Region auf den Weg nach Teterow gemacht, um sich auszutauschen, Neues zu lernen, Hilfestellung zu bekommen. „Uns ist wichtig, dass die Mitarbeitenden losgelöst von ihrem Arbeitsalltag und umgeben von Quereinsteigern aus allen Sozialstationen erkennen, dass sie die gleichen Schwierigkeiten und Hilfebedarfe haben. Wir in diesem Rahmen nicht nur darüber sprechen können, sondern in den Arbeitsalltag integrierbare Wege zur Gesunderhaltung und Arbeitserleichterung erlernen können.“, erzählt Anja Behlke, Leiterin der Aus- und Fortbildung der ambulanten Pflege im DRK Güstrow, die diese Fortbildung im Lehrkabinett der DRK-Bildungseinrichtung möglich gemacht hat.
„Anfangs sind die Teilnehmenden immer noch etwas verhalten, darum ermitteln wir erst einmal gemeinsam die zentralen Fragen und Inhalte, die wir uns gemeinsam erarbeiten wollen und dann geht es in die Praxis über“, erklärt Anja Behlke, die seit 30 Jahren in der Pflege tätig ist und als Praxisanleiterin auf viele Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann. „Ich kenne die Schwierigkeiten, weiß, wie herausfordernd aber auch schön dieser Beruf sein kann“, erzählt sie. Das merkt man. Mit ihrer Aufgeschlossenheit und der Art und Weise die Dinge charmant beim Namen zu nennen, findet sie schnell einen Weg die Gruppe zu begeistern.
Die Frauen, die in ihrem früheren Leben Verkäuferin, Sekretärin, Kraftfahrerin, Restaurantfachfrau oder Fahrdienstleiterin bei der Deutsche Bahn waren, stehen an den Pflegebetten und sind bereit dazuzulernen. Schnell berichten sie von ihren bisherigen Erfahrungen, schildern Fallbeispiele, bei denen sie sich Hilfestellung wünschen, und schon sind alle mitten im Übungsszenario. Kurzerhand fliegt die Übungspuppe aus dem Bett, denn allen ist klar, sie wollen unter Realbedingungen – mit echten Menschen – trainieren. „Wichtig ist uns rückenschonende Techniken zu üben, die Hilfsmittel zu nutzen, die uns zur Verfügung stehen – ob das nun die Höhenverstellbarkeit des Pflegebettes oder das Nutzen einer Gleitmatte zur Umlagerung ist. Nur wenn unsere Mitarbeitenden gesund bleiben, können wir unsere Klient*innen nachhaltig versorgen“, erklärt Anja Behlke. Regelmäßig weißt sie daher auf die richtige Arbeitshöhe und Haltung hin und schnell merken die Teilnehmenden, wie einfach sich eine rückenschonende Arbeitsweise in den Alltag einbauen lässt.
Besonders die Gleitmatte sorgt für Begeisterung. Angelika stellt sich als Testklientin zur Verfügung und reihum testen die Teilnehmerinnen das Pflegehilfsmittel aus, um Angelika im Pflegebett nach oben zu schieben. „Das ist ja Wahnsinn, wie toll das funktioniert – das kann die Arbeit wirklich ungemein erleichtern“, berichtet Jana, die die Probe aufs Exempel einmal mit und einmal ohne Gleitmatte macht. Seit November letzten Jahres ist sie Teil der ambulanten Pflege im DRK Güstrow. „Und es war für mich die richtige Entscheidung. Eigentlich wollte ich immer Krankenschwester werden, bin dann aber Sekretärin geworden, habe als Kraftfahrerin und als Kommissioniererin in einer Druckerei gearbeitet. Zuletzt war ich sechs Jahre bei der Dialyse tätig – hier fühle ich mich jetzt aber richtig angekommen“, berichtet Jana weiter.
Berufliche Werdegänge, wie den von Jana, finden sich viele in den Reihen der ambulanten Pflege. „Unsere Personalanalyse hat gezeigt, dass wir rund 85 Prozent Quereinsteiger in der ambulanten Pflege haben und das sehen wir als Chance, wollen das Interesse an unserem Berufsfeld nutzen“, erklärt Cornelia Heidenreich, Bereichsleitung ambulante Pflege beim DRK Güstrow. Daher plane ihr Team eine Quereinsteiger-Messe am 27. Juni 2026 in Güstrow. Unter dem Motto „Quereinstieg leicht gemacht“ sind Interessenten an der Arbeit in der ambulanten Pflege herzlich in die Viehhalle eingeladen. „Von 10 bis 14 Uhr gibt es die Möglichkeit Mitarbeitende kennenzulernen, Fragen zu stellen und vielleicht einen Job fürs Leben zu finden“, gibt Cornelia Heidenreich einen Ausblick auf die erste Messe dieser Art in der Barlachstadt und freut sich auf viele Gäste und tolle Gespräche.
Bildunterschriften
Bild 1: Interessiert verfolgen die Teilnehmenden die praktischen Tipps und Tricks von Anja Behlke (2.v.r.), Leitung Aus- und Fortbildung der ambulanten Pflege. Foto: Caroline Awe
Bild 2: An der Übungspuppe trainiert Kerstin konzentriert wie sie den Klient*innen Hilfestellungen beim Aufstehen geben kann, ohne den Rücken zu stark zu belasten. Foto: Caroline Awe
Bild 3: Gemeinsam wird der Einsatz der Gleitmatte zum Umlagern bettlägeriger Klient*innen geübt. Foto: Caroline Awe
Bild 4: Probe aufs Exempel: Teilnehmerin Jana testet das Umlagern mit und ohne Gleitmatte, während Angelika eine Übungsklientin spielt. Foto: Caroline Awe
Bild 5: Am Ende der Übungseinheiten fasst Anja Behlke die Ergebnisse mit den Teilnehmenden noch einmal zusammen. Foto: Caroline Awe





