Den DRK-Kleiderkammern fehlen Ehrenamtliche. Deshalb bleibt die Tür zeitweise geschlossen. Angebote richten sich an alle Altersgruppen.
Eine Frau kommt mit aussortierten Sachen in die DRK-Kleiderkammer in Bützow. Hosen, ein Pullover, eine Kissenhülle und eine Jacke sind dabei. Doch eigentlich hätte sie an diesem Tag vor verschlossener Tür gestanden. „Heute ist keine Ehrenamtliche da“, erklärt Elena Fehlhaber. Die Ehrenamtskoordinatorin des DRK ist gerade für einen Pressetermin vor Ort und nimmt die Spende entgegen. Die Situation zeigt, was die Arbeit der Kleiderkammer erschwert: Es fehlen Menschen, die verlässlich die Öffnungszeiten absichern können.
Unterstützung fällt aus gesundheitlichen Gründen aus
„Wir haben hier aktuell drei Ehrenamtliche, die tätig sind“, sagt Fehlhaber. Doch die Helferinnen haben zum Teil auch berufliche Verpflichtungen. Kann niemand vor Ort sein, bleibt die Einrichtung zeitweise geschlossen.
Deshalb sucht das DRK weitere Freiwillige, die bei der Annahme, beim Sortieren und bei der Ausgabe unterstützen. Zusätzliche Entlastung soll normalerweise eine Arbeitsgelegenheit des Jobcenters bringen. Diese Unterstützung fällt in Bützow derzeit allerdings aus gesundheitlichen Gründen aus. Nun werde geprüft, ob eine Nachbesetzung möglich sei.
Hinter der Kleiderausgabe steckt viel Arbeit
Die Aufgaben der Helferinnen gehen weit über das Entgegennehmen von Kleidersäcken hinaus. Sie prüfen und sortieren die Spenden, halten die Räume sauber und passen das Angebot der Jahreszeit an. Im Herbst werden dickere und längere Kleidungsstücke gebraucht, während die Sommersachen nach und nach ins Lager wandern.
Außerdem dokumentieren die Ehrenamtlichen, welche Dinge ausgegeben werden. „Das muss schon differenziert betrachtet werden“, sagt Fehlhaber. Kleidung, Schuhe und Haushaltstextilien werden für eine jährliche Statistik erfasst. Eine laufende Inventur des gesamten Bestandes gibt es dagegen nicht.
Sechs DRK-Kleiderkammern
Fehlhaber betreut insgesamt sechs DRK-Kleiderkammern – neben Bützow auch Güstrow, Teterow, Krakow am See, Laage und Gnoien. Zu ihren weiteren Aufgaben gehören unter anderem die Blutspende und das Jugendrotkreuz. Wie wichtig ausreichend Unterstützung vor Ort ist, zeigt sich in Bützow unmittelbar: Spenden und Nachfrage allein reichen nicht aus, wenn niemand die Tür öffnen kann.
Weniger Müll seit dem Abbau der Container
Bei der Qualität der Spenden hat sich nach Fehlhabers Worten etwas verbessert. Seit dem Abbau der DRK-Kleidercontainer komme kaum noch verschmutzte und unbrauchbare Kleidung an. Zuvor seien dort neben kaputten Textilien auch Abfälle gelandet – darunter Dinge, an denen sich die Menschen beim Sortieren hätten verletzen können. „Da hat man wirklich schon stark an der Menschlichkeit gezweifelt“, sagt sie.
Dennoch werden weiterhin Beutel außerhalb der Öffnungszeiten abgestellt. Dabei müssen die Helferinnen jede Spende zunächst kontrollieren. „Wir können nicht ungesehen einfach alles und jeden Beutel annehmen“, betont Fehlhaber. Die Räume bieten nur begrenzten Platz. Hinzu kommen Kosten für die Entsorgung unbrauchbarer Sachen. „Auch wir können nicht kostenlos entsorgen“, erklärt sie. Verlässliche Partner für die Verwertung zu finden, werde zunehmend schwieriger.
Es gibt einen einfachen Maßstab
Ihre Bitte lautet deshalb: Spenden ausschließlich zu den Öffnungszeiten persönlich abgeben. Verschmutzte und kaputte Kleidung gehört nicht in die Kleiderkammer. Für die Qualität nennt Fehlhaber einen einfachen Maßstab: „Das, was ich meinen besten Freunden noch schenken würde, das können wir auch hier abgeben.“ Entscheidend sei, dass andere die Sachen noch gut tragen können – „ohne sich dafür zu schämen“.
Beate Nießler möchte Kleidung ein zweites Leben geben
Genau diesen Gedanken verfolgt Beate Nießler. Die Rentnerin hat während des Gesprächs einige aussortierte Dinge vorbeigebracht. Sie spendet immer dann, wenn sie sich wieder von etwas trennen kann. Ihr sei wichtig, „dass es wirklich Bedürftige gibt, die dann vielleicht auch meine Kleidung weitertragen“.
Manches würde sie selbst noch anziehen. Doch als Rentnerin brauche sie nicht mehr so viel, erzählt sie. Und gelegentlich komme auch etwas Neues hinzu. „In die Tonne zu schmeißen, ist es mir einfach zu schade“, sagt Nießler. „Dafür hat es mal zu viel Geld gekostet.“
Bei vollen Lagern gibt es einen Annahmestopp
Das Angebot der Einrichtung reicht über Kleidung hinaus. „Wir haben Schuhe, wir haben Spiele“, zählt Fehlhaber auf. Auch Bettwäsche, Decken, Kuscheltiere und weitere Haushaltswaren werden abgegeben. Ob etwas angenommen werden kann, hängt vom Zustand und den vorhandenen Lagerkapazitäten ab.
Sind die Räume voll, müssen die Einrichtungen Grenzen setzen. „Wenn wir keine räumlichen Kapazitäten mehr haben und einfach nicht mehr annehmen können, müssen wir auch einen Annahmestopp verhängen“, erklärt Fehlhaber. Sommerkleidung kann grundsätzlich auch im Herbst oder Winter abgegeben werden, sofern ausreichend Platz vorhanden ist. „Das legen wir uns dann, so wie wir es können, auf Vorrat“, sagt sie. Schließlich müsse zum Beginn der nächsten Saison bereits etwas zur Auswahl stehen.
„Das ist ein Angebot für alle.“
Elena Fehlhaber wünscht sich, dass noch mehr Menschen die Kleiderkammer ohne Scheu besuchen. Gerade ältere Menschen dürften aus ihrer Sicht häufiger vorbeischauen. „Die ältere Generation darf sich gerne angehalten fühlen, auch zu kommen, ohne ein Schamgefühl.“ Die Ausgabe erfolgt auf freiwilliger Spendenbasis. „Natürlich freuen wir uns über jede Spende“, sagt Fehlhaber. Sie helfe, das Angebot zu tragen. „Aber wenn man nichts hat, kann man auch nichts geben.“
Das Bild einer muffigen Kammer mit abgetragenen Sachen möchte sie aufbrechen. Hier gebe es saubere, gut erhaltene Kleidung, die anderen noch Freude machen könne. Auch sie selbst habe schon schöne Stücke für ihre Kinder mitgenommen. „Das ist ein Angebot für alle“, betont die Ehrenamtskoordinatorin. Damit es verlässlich erreichbar bleibt, braucht die Bützower Kleiderkammer nun vor allem weitere Menschen, die einen Teil ihrer Zeit dafür einsetzen.
